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Krieger -Ethik

kelt. Krieger

Krieger Heute?

     
             
             

Titel: Krieger Heute

 

Bild: Krieger Heute

 

 

Ich habe dieses Thema hier aufgenommen, da es immer wieder auf verschiedenen Foren und auch in Gesprächen zu Sprache kommt. Was bedeutet es, sich Heute "Krieger" zu nennen?

Bedeutet Krieger = Soldat?
Bedeutet Krieger sein etwa den Krieg verherrlichen?

Was drücken die Menschen aus, welche sich Heute Krieger nennen und was verstehen sie darunter? Auf dieser Seite werde ich einfach Gedanken von verschiedenen Menschen, welche in Foren oder Gästebüchern etwas dazu gesagt haben, kommentarlos und ohne Wertung einstellen. Manche der Texte haben viel in mir bewegt und mich in meinen Gefühlen bestärkt. Anderes erschreckte mich eher. So sollte sich jeder aus den Texten das herausholen, was zu Ihm passt und was gefällt.

 

Am 01.03.2002 fand ich diesen Eintrag in meinem Gästebuch........

 

Journey of a Warrior Soul

Eigentlich hatte ich ja längst beschlossen, mich um meinen eigenen Kram zu kümmern, meinen Weg zu gehen, ohne mich durch all die »du spinnst« und »das kannst du aber so nicht sehen« Reaktionen aus dem Gleichgewicht bringen zu lassen. Ich wollte das Gros der Heiden-, Hexen- und Keltenszene mit einem müden Lächeln weiterhin ihren Sandkastenspielchen überlassen. Wer gibt mir das Recht zu beurteilen, ob sie richtig oder falsch liegen, ob sie oberflächlich oder ernsthaft sind?
Ich kann und will nicht bekehren. Bin ich Christ oder was? Aber ich muß einfach einmal mit ein paar Mythen aufräumen, die sich hartnäckig in der Neo-Kelten-Szsne eingenistet haben. Mir ist zwar klar, daß die wenigsten, die dieses Traktat lesen, wirklich hören wollen, was ich zu sagen habe, und viele von ihnen werden sich sogar angegriffen fühlen, aber das stört mich nicht. Ich weiß, daß ich nicht allein bin mit meiner Sicht der Dinge. Ab und zu ist ja jemand bereit, die Förmchen zur Seite zu legen und den Schritt über die Einfassung des Sandkastens zu wagen.
In einem magischen Weltbild gibt es keinen Zufall. Mag ja sein, daß ich eigentlich nicht die geringste Lust habe, diese Zeilen zu schreiben, aber offensichtlich gibt es einen Grund dafür, daß ich es tue, auch wenn ich ihn momentan nicht kenne.

Was mich gerade in der heidnischen Neokeltenszene immer wieder beeindruckt, ist die Kombination von zum Teil phantastischem Detailwissen und einer geradezu schmerzhaften Unkenntnis, wenn es um größere Zusammenhänge geht. Diese schier unglaubliche Kombination ist dann oft noch begleitet von maßloser Arroganz. Da trifft man überall auf Druiden, Barden, weise Frauen, Krieger, Schamanen und Hochkönige und fragt sich, wo denn das Volk dazu abgeblieben ist. Faszinierend finde ich auch die Möglichkeit zur Mehrfachnennung. Manche Größen der westlichen Stämme haben so viele Titel auf ihren Briefköpfen, daß kein Platz mehr für eine Aussage auf dem Blatt ist. Aber der ist, wenn man es genau betrachtet, ja auch nicht wirklich nötig.
Fragt man nämlich nach, kommen zunächst gummiartige Phrasen und mystische Nebelbänke, bleibt man hingegen hartnäckig neugierig, wird man schließlich mit der von einer Generation zur nächsten weitergegebenen Tradition zur Verschleierung der Tatsache abgespeist, daß man auch keine Ahnung hat. »Kind, das verstehst Du nicht« oder »Das ist geheimes Priesterwissen.«
Und dann betrachtet man all die Druiden, Hexen, Krieger, Barden, Schamanen und was sie sonst noch alles sind, wirft einen mitleidigen Blick auf dieses Heer von überkompensierten Minderwertigkeitskomplexen und aufgeblasenen Egos, auf diesen Ozean von Selbstmitleid und Größenwahn, auf diese beeindruckende Phantasie, die es schafft, Kabbala, Zen Buddhismus, sibirischen Schamanismus, christliches Schwarzweißdenken und esotherisches Licht-und-Liebe-Gesülze nahtlos ineinander übergehen zu lassen und es mit einem Triskell garniert als durchgängige kontinentale Tradition zu verkaufen. Man weiß nicht, soll man über all diesen tiefen Ernst in Gelächter ausbrechen oder über die Lächerlichkeit zu weinen anfangen.
Wenigstens würde man sich denn doch ein wenig Showtalent für die ganzen Größen wünschen, damit das Schauspiel nicht so gnadenlos schlecht ausfällt, oder wenn schon das nicht gegeben ist, eine Sonnenbrille der besonderen Art, die all die Fehler und Brüche in ihrem Erscheinungsbild herausrechnet - aber wenn's geht, bitte nicht mit einer Rosatönung.

Da gibt es:
Schamanen, die nicht einmal einen einfachen 2/4 Takt auf der Trommel halten können und deren untrainierte Physis kaum die ersten 10 Minuten eines Trance-Tanzes überstehen würde, aber vermutlich verwechsle ich hier einen Kreislaufkollaps mit einer Andersweltreise.
Druiden, deren Fähigkeiten so allumfassend sind, daß sie nicht einmal die eigenen Körperfunktionen kontrollieren können, von einer Stabilisierung der eigenen Gesundheit einmal ganz abgesehen.
Hexen, die ihre Nymphomanie mit kruden Lehren von Energieaustausch und weiblicher Mystik verklären. Man wünscht ihnen von Herzen ein wenig mehr Geschmack und Differenzierungsvermögen, aber vor allem ein paar hygienische Grundkenntnisse. - O, pardon, ich vergaß, daß bei soviel Spiritualität Aids ja nun wirklich keine Chance hat.
Barden, deren Glaube an die eigene ***uelle Unwiderstehlichkeit durch keine Glatze, keinen Bierbauch und keinen Hängearsch zu erschüttern ist.
Mystikerinnen, deren Frustkompensation durch unkontrolliert wahllose Nahrungsmittelaufnahme und deren meist konturlos hängende Folgen damit geheiligt wird, daß man die älteste bekannte Darstellung von Adipositas - die »Venus« von Willendorf - zum Erotiksymbol erklärt.
Krieger, deren Muskulatur sich auf den breiten bier- und metunterstützten Strang im Bauchbereich beschränkt, die bei dem Anblick von echtem Blut ein eklatantes Magenproblem bekommen und die die Tatsache, daß sie kaum wissen, an welchem Ende man das Dekoschwert aus der Massenproduktion anfaßt, damit verbrämen, daß sie behaupten, daß wahres Kriegertum ja eine innere Einstellung ist, die keine physische Umsetzung braucht.

Ich könnte diese Aufzählung noch viele Seiten weiterführen, aber ich kann es - zum Glück - auch lassen. Für all diese verbal oft sehr aktiven Größen gilt das gleiche Prinzip. Das magische Weltbild greift immer dann, wenn es zu ihrem eigenen Vorteil ist, wenn es Ansehen, Bewunderung, Streicheleinheiten fürs Ego oder ganz einfach finanzielle Vorteile bringt. Geht es allerdings um die Schattenseiten, die Konsequenzen, die ein beanspruchter Titel hat, trifft das ja alles in diesem Fall nicht zu weil (hier bitte irgendeine Ausrede aus dem reichhaltigen Repertoire einfügen). Und außerdem kann man das ja so nicht sehen.
Ich wünsche all diesen Leuten, daß ihr kosmischer Radiergummi nie versagt, daß der Mechanismus, mit dem sie sich ihre Welt stimmig lügen, nie aussetzt, denn sonst ...

Mein Heile-Welt-Programm war vermutlich eine noch nicht ganz ausgetestete Microsoft-Version. Und so trat eines Tages ein unbehebbarer Ausnahmefehler auf, die Matrix reagierte nicht schnell genug und ich hatte ein déja vu. Ich habe noch ein paar mal versucht, das Problem mit einem Neustart zu beseitigen, es hat manchmal sogar eine ganze Weile funktioniert. So lange, daß ich schon glaubte, mir den Systemabsturz nur eingebildet zu haben, aber irgendwann trat dieser Ausnahmefehler erneut auf und ich fand mich mit der Erkenntnis wieder, daß nichts so grenzenlos sein kann wie die eigene Dummheit und nichts von so seelenerfrischender Komik wie die komplizierten Mechanismen, sich vor dieser Erfahrung zu drücken.
Wer diesen Punkt nicht erreicht hat, wird immer ein mehr oder weniger funktionierendes Rädchen im Getriebe des bestehenden Systems bleiben, wird weiterhin die Litfaßsäule umkreisen und sich über das Eingemauertsein beschweren, statt sich umzudrehen und einfach wegzugehen.
Dieses Umdrehen tut weh, es macht Angst, es zerstört all die liebgewonnenen Gewohnheiten, die den empfindlichen Kern in uns in schützende Watte packen. Dieses Umdrehen legt die Seele blank, wirft ein gnadenloses Licht auf die Müllhalden unserer Psyche und die brodelnden Abgünde unserer menschlichen Unzulänglichkeiten.
Ich verstehe jeden, der sich dem verweigert. Hätte ich vorher gewußt, was ich vorfinde, wenn ich mich umdrehe, hätte ich vielleicht auch weiterhin brav auf die Mauer vor mir gestarrt. Aber ich bereue es nicht, weggegangen zu sein. Für all diejenigen, die es mir gleichtun wollen, schreibe ich. Dem Rest wünsche ich ein paar hübsche Bilder auf ihrer Litfaßsäule.

Da es in der neokeltischen Szene der BRD so viele moderne Mythen gibt wie Mitglieder, werde ich mich auf diejenigen beschränken, die in meinen Aufgabenbereich fallen.
Die übrigen, angefangen von dem vom allwissenden Druiden über den vom selbstlosen Heiler bis hin zu jenem unsäglichen von der seit 2500 Jahren durchgängigen Tradition, zu zerpflücken, überlasse ich gerne anderen.

Ich gehe den Weg des Kriegers mit allen Konsequenzen, was auf der
physischen Ebene für mich Herstellung und Erhaltung körperlicher Fitneß, Ausbildung im Umgang mit historischen und modernen Waffen sowie Kampfsporttraining bedeutet, wobei die Ausrede »ich bin zu alt für diese Scheiße« nicht zählt. Auf der
geistigen Ebene heißt das Schmerzbeherrschung, Angstmanagement, Konfrontationspsychologie und Ethiktheorie. Auf der
spirituellen Ebene schließlich steht Erkennung der eigenen Helfermächte und der geasa sowie die Anbindung an das zuständige höhere Prinzip im Rahmen einer Initiation an.
So werde ich denn, bevor ich mich der näheren Erläuterung dieser drei Aufgabenbereiche zuwende, mit den fünf Mythen ins Gericht gehen, die mir in dem, was da hierzulande unter dem Wort Kriegertum herumläuft, am heftigsten Bauchgrimmen verursacht haben.

Den Mythos vom notwendigen Alkoholkonsum lasse ich dabei beiseite. Der ist mir einfach zu dämlich.

Tiwaz Der Mythos vom furchtlosen Helden.

Zu allen Zeiten und bei (fast) allen Völkern taucht er in den Sagen und Märchen auf, der große Held, der keine Angst kennt. Er nötigt uns Bewunderung ab und hinterläßt in unseren Herzen die bittere Erkenntnis, daß wir selber nicht zum Helden taugen, da wir diese Furchtlosigkeit nicht kennen. Was dabei nur allzu gerne unter den Tisch fällt, ist die Tatsache, daß all diese Helden längst tot sind. Sie starben meist in jungen Jahren. Arthritis, schwindendes Hör- und Sehvermögen oder Altersdiabetes gehören nicht zu den Eigenschaften eines Helden, genausowenig wie man ihn sich mit einem Schwung von Kindern und Enkeln vorstellen kann.
Natürlich fühlt man sich selbst erst mal als Feigling und zwar so lange, bis einem der Widerspruch auffällt. Jemand, dem Angst völlig fremd ist, fällt es doch leicht, sich den harten Alltäglichkeiten eines Helden zu stellen. Da weder Verletzung, Schmerz noch Tod ihn schrecken, ist jeder Kampf für ihn ein Spaziergang. Wo ist da eine Leistung, die Bewunderung verdient?
Nur aus der Erkennung der eigenen Ängste und deren Überwindung kann echtes Heldentum entstehen. Angst ist kein Charakterfehler, sondern ein sinnvolles Alarmsystem, das uns davor bewahrt, selbstmörderischen Unsinn zu veranstalten. Ängste zu verdrängen führt dazu, daß sie einen genau dann einholen, wenn man sie am wenigsten gebrauchen kann. Man gibt ihnen damit mehr und mehr Macht und schränkt die eigene Handlungsfähigkeit immer mehr ein. Die gerade in der Neokeltenszene beliebte Methode des Mut-Antrinkens ist eine dieser Verdrängungspraktiken, die neben den psychischen Schäden auch noch physische nach sich zieht.
Wer sich jedoch schweren Herzens zwingt, genau dort hinzusehen, wo die eigene Angst sitzt, wer die Dinge tut, vor denen er sich am meisten fürchtet, der vollbringt wirklich eine anerkenneswerte Leistung und damit eine Heldentat. Doch solche Begebenheiten taugen halt nicht für die großen Sagas, denn wer will schon zum Beispiel von einem jungen Mann hören, der nur deshalb mit dem Aufzug fährt, statt die Treppe zu benutzen, weil er sich von seiner Klaustrophobie nicht unterkriegen lassen will?

Naudiz Der Mythos vom Ritter reiner Gesinnung

Ohne Furcht und Tadel kämpft er für die Schwachen und Armen, rettet bedrohte Jungfrauen, selbstverständlich ohne selber auch nur einen Moment lang in Versuchung zu kommen. Nie will er eine Belohnung für seine edlen Taten und reitet nach getaner Arbeit mit blanker Rüstung in den Sonnenuntergang. Wovon lebt der Typ eigentlich und vor allen Dingen wo lebt er, außerhalb einiger mindestens vierzig Jahre alten Hollywoodtraktate?
Nichts gegen Leinwandromantik, aber mit dem Weg des Kriegers hat das nichts zu tun. Krieger sind Menschen, sie haben die gleichen Träume, Wünsche und Begierden wie alle anderen Menschen auch. Die »Reinheit« der Gesinnung ist ihnen damit genauso fremd wie den anderen, mal völlig davon abgesehen, daß die für den Ritter geltende Reinheit eine christliche Beigabe ist, die den Kelten in dieser Form völlig fremd war. Keltische Krieger waren dazu da, den eigenen Clan oder Stamm gegen die anderen zu schützen, wobei die Definition des Begriffes Schutz meist recht großzügig ausgelegt wurde. Man schützt schließlich auch den eigenen Haufen, indem man dafür sorgt, daß er besseres Weide- oder Ackerland, mehr Rinder oder ertragreichere Erzvorkommen bekommt, oder? Natürlich möchte man den keltischen Krieger gerne zum edlen Wilden hochstilisieren, der tapfer aber aussichtslos gegen das zwar dekadente, aber militärisch überlegene Rom focht. Was für ein Unfug! Die edlen Wilden von damals waren zu sehr damit beschäftigt, die eigenen Brüder, sprich, den Nachbarstamm zu bekämpfen, als sich gemeinsam dem römischen Imperium zu stellen. Das Wort Krieger kommt nun einmal von Krieg und nicht von Reinheit, sonst müßten wir uns denn wohl eher Reiner nennen.
Krieg ist immer Auseinandersetzung auch auf der physischen Ebene. Für Auseinandersetzungen auf der verbalen Ebene gibt es Politiker und Juristen. Krieg heißt Bekämpfung eines Gegners mit den dazu geeigneten Mitteln und es ist eher unerheblich, wie die benutzten Waffen aussehen.
Jede physische Auseinandersetzung setzt im menschlichen Körper eine Reihe von Chemikalien frei, die uns helfen sollen, die Auseinandersetzung zu überleben und wenn möglich zu gewinnen. Jeder Sportler, der seine körperlichen Grenzen austestet, kennt den Zustand, in dem man sich befindet, wenn große Mengen von Adrenalin mit Endorphinen zusammentreffen. Es ist der körpereigene Drogencocktail, der Menschen veranlaßt, durch eine Achterbahn zu rasen, oder sich nur mit einem Gummiseil an den Füßen von einer Brücke fallen zu lassen. Wo soll da in diesem Moment Platz für eine »reine« Gesinnung sein?
Ja, Krieger zu sein, heißt auch, sich einem Ehrenkodex zu beugen, der verhindern soll, daß Unschuldige verletzt oder getötet werden. Mit Reinheit der Gesinnung hat das aber recht wenig zu tun. Es ist einfach dumm, so ganz nebenbei einen Bauern zu erschlagen. Es könnte sein, daß man dann im nächsten Winter hungern muß.

Wunjo Der Mythos von der Machbarkeit der Friedfertigkeit

»Stell Dir vor, es gibt Krieg und keiner geht hin« Ja, das wäre wunderbar und zwar im ureigensten Sinne des Wortes. Es wäre ein Wunder, das dazu führen würde, daß niemand mehr den Weg des Kriegers gehen müßte. Was für eine herrliche Vorstellung! Aber wie soll das funktionieren? Seit es Menschen gibt, streiten sie miteinander, zunächst um bessere Jagdgebiete, Wasserstellen und Wohnhöhlen. Sehr viel später dann um Weidegründe, Ackerböden, Erzlager, Handelswege, Energieressourcen und Weltmarktpreise. Nicht zu vergessen sind auch all die vielen Kriege um Ideologien und andere Glaubensinhalte, wenn die auch fast immer nur die wirtschaftlichen Interessen der Kontrahenten verbrämen und das Volk für den Krieg einstimmen sollten.
Wettkampf und Konkurrenzbereitschaft begleiten die Menschheit seit Jahrhunderttausenden genauso wie Zusammengehörigkeitsgefühl und Opferbereitschaft innerhalb der eigenen Sippe. Beides sind Überlebensstrategien, die sich über viele tausend Generationen unserer Vorfahren hinweg als erfolgreich erwiesen haben. Ja, es hat in der Vergangenheit immer Zeiten mit Kriegen und Zeiten mit Frieden gegeben. Glücklicherweise haben Menschen gelernt, daß man Meinungsverschiedenheiten auch anders als mit der Vernichtung des Gegners beilegen kann.
Generell sind Ackerbaukulturen meist friedfertiger als nomadisierende Hirtenstämme, matriarchal gelenkte Gemeinschaften friedfertiger als patriarchale. Aber das gilt eben nur solange die Ressourcen nicht erschöpft sind. Mißernten oder zu hohe Pachtabgaben haben schon oft genug aus bis dahin friedlichen Bauern blutgierige Monster gemacht, die so manchen Ritter von seinem hohen Roß in den Straßendreck beförderten und dort mit dem Dreschflegel totschlugen.
Die Schwelle zur Bereitschaft zu kämpfen mag bei den Menschen unterschiedlich hoch sein, aber mit sicher nur ganz wenigen Ausnahmen gibt es für jeden einen Punkt, wo diese Schwelle überschritten werden kann. Bei den meisten ist dieser Punkt dann erreicht, wenn das eigene Leben oder das von geliebten Menschen in Gefahr ist.
Die westliche Zivilisation, in der wir uns befinden, tabuisiert Gewalt innerhalb dieser Gesellschaft, um überlebensfähig zu bleiben. Sie versucht also das Zusammengehörigkeitsgefühl der Sippe, das Gewalteinsatz innerhalb der Familie verhindern soll, auf Nationen von vielen Millionen Mitgliedern auszudehnen. Ein Unternehmen, das nur bedingt funktioniert, denn wenn nicht mehr die Nachbarsippe, der Nachbarclan oder der Nachbarstamm mein Gegner ist, dann muß es die Nachbarnation sein, oder die Andersdenkenden, Andersgläubigen oder anders Aussehenden im eigenen Umfeld. So entstehen Weltkriege und faschistische Minderheitenverfolgungen.
Gewalt unter ein Tabu zu stellen, funktioniert genausowenig wie jede andere Verdrängungstaktik. Fußballspiele und andere Sportgroßveranstaltungen sind eben immer nur ein bedingt funktionierendes Überdruckventil.
Ein Krieger ist immer als Schutzfaktor für die Gemeinschaft da, der er angehört. Ist diese Gemeinschaft in Gefahr, ist es seine Aufgabe diese Gefahr abzuwenden, je nach Lage allein oder zusammen mit anderen Kriegern. Wie er diese Gefahr abwendet, hängt von der Art dieser Gefahr ab. Manche Gefahren mag man durch friedfertige Methoden entschärfen können, andere nicht.
Den Weg des Kriegers zu gehen heißt, sich immer bewußt zu sein, daß man im Extremfall gezwungen sein kann, Gewalt mit Gewalt zu beantworten, notfalls tödlicher Gewalt. Wenn man dazu nicht bereit ist, mag man sich gerne weiterhin Gedichte an einem virtuellen Feuer erzählen, aber mit dem Weg des Kriegers hat man dann nichts mehr zu tun. Wer glaubt, daß die Zeit des Schwertes vorbei ist und man das heute ja anders angehen müsse, sollte sich vielleicht mal die Nachrichten ansehen.

Isa Der Mythos von der Gangbarkeit eines rein spirituellen Weges

Sucht Parzival etwa noch immer nach dem Gral? Wenn man sich manche Traktate vor allem aus der esotherischen Abteilung mit dem keltischen Aufkleber durchliest, ist man versucht, das zu glauben. Fast packt einen dann selbst die Lust, auf die Suche nach irgendeinem verbeulten Blechnapf zu gehen, aber zum Glück nur fast.
Was passiert mit einem Triskel, wenn man eine der drei Spiralen herausbricht und für sich allein stellt? Das Muster ist zerstört, die Enden der einzelnen Spiralen führen ins Nichts. Genau das geschieht auch, wenn man versucht, die untrennbare Einheit von physischer, intelektueller und spiritueller Ebene zu zerbrechen - der Weg führt ins Nichts.
Wer auf der physischen Ebene nicht die Disziplin aufbringt, seinen Körper in einen Zustand zu versetzen, in dem er den gestellten Aufgaben auch gerecht werden kann, wird diese Disziplin auch auf den anderen beiden Ebenen nicht haben. Wer sich nicht eingehend mit den eigenen Ängsten auseinander setzt, wird nie gegen einen äußeren Gegner bestehen können. Es genügt leider doch nicht, sich den Namen irgendeiner alten Kriegsgottheit oder eines mythischen Helden zu geben, wenn man sich nicht daran macht, diesem Namen in jeglicher Hinsicht gerecht zu werden. Alles was sonst passiert, ist daß man sich in seiner eigenen Spirale immer und immer wieder herumdreht und nach außen hin nur eines ist - peinlich.

Laguz Der Mythos von der Trennbarkeit von Täter und Opfer

Gibt es den gerechten Krieg? Wann ist ein Bombenleger ein Terrorist und wann ein Freiheitskämpfer? Wer entscheidet, welches die »gute« und welches die »böse« Seite ist?
Gut und Böse sind Begriffe aus der Christlichen Polarisation. Für einen Kelten kann es diese Trennung so nie geben. Was in welcher Situation gut oder schlecht ist, ist von Fall zu Fall verschieden. Für einen Krieger heißt das, daß er sich niemals darauf verlassen kann, daß er auf der »richtigen« Seite ist. Es gibt kein »Richtig« und kein »Falsch«, genausowenig wie es eine absolute Wahrheit gibt. Es gibt immer nur ein »sinnvoll« oder ein »nicht sinnvoll«, ein »moralisch vertretbar« oder ein »moralisch nicht vertretbar«.
Die Welt ist immer Licht und Dunkelheit. Was würde es denn heißen, wenn man alle Dunkelheit, jeden Schatten tilgen würde und nur noch reines Licht zurückbliebe? Es wäre eine Welt ohne jede Differenzierung - eine Welt, in der sich außer dem Licht nichts mehr befindet, das einen Schatten werfen könnte. Ist es das, was die keltischen Krieger des Lichtes wollen? Möchten nicht wenigstens sie noch da sein, um einen Schatten werfen zu können?
Das Gleichgewicht zu wahren zwischen all diesen untrennbaren Pärchen ist eine der Aufgaben, denen ein Krieger sich widmen sollte, denn nur im Zwischenbereich zwischen den Polen ist menschliches Leben möglich. Das Leben an sich in all seiner Vielfalt muß, so seltsam das klingen mag, das Gut sein, daß er zu verteidigen hat; und es klingt nur im ersten Moment paradox, daß er dies manchmal eben auch dadurch tun muß, daß er Leben vernichtet - unter Umständen auch sein eigenes. Damit ist er immer sowohl Täter als auch Opfer, was immer er auch tut.

Kommen wir nun zurück zu dem, was meiner Meinung nach ein Krieger, der diesen Weg ernsthaft und nicht nur Gedichte rezitierend im Internet gehen möchte, zu tun hat:

physische Ebene:

Herstellung und Erhaltung körperlicher Fitneß:

»Nichts leichter als das« sollte man meinen, oder? Die Welt ist voll von Sportvereinen und Fitnescentern. Wo also liegt das Problem? Es gibt kein Alter, in dem man nicht irgendeinen Sport treiben könnte. Es gibt auch kein Zeitproblem, denn wenn es wichtig ist, daß man den Weg des Kriegers geht, dann kann man auch in der Mittagspause mal eben ein paar Kniebeugen machen, die Treppe statt den Fahrstuhl benutzen, zur Arbeit joggen, wenn der Weg nicht zu weit ist, und tausend andere kleine Dinge, die die Fettpolster von den Hüften und die Kurzatmigkeit aus der Lunge vertreiben. Gerade diejenigen, die meinen, daß Kriegertum ja »so eine innere Einstellung ist« sollten genau diese innere Einstellung nutzen, damit ihr Körper auch seine positiven Erfahrungen mit dem neuen Lebensziel machen kann.
Dazu gehört natürlich auch eine entsprechende Ernährung. Ich kann von einem hochgezüchteten Rennwagen nun mal nicht die versprochenen 280 Stundenkilometer erwarten, wenn ich Heizöl in den Tank fülle. Auf die Gefahr hin, daß ich mir nun auch den letzten fundamentalen Veganer zum Todfeind mache, Menschen sind Allesfresser. Sie benötigen tierische und pflanzliche Nahrung und zwar in einem vernünftigen Mischungsverhältnis. Je naturbelassener diese Nahrung ist, umso gesünder ist sie und umso gesünder wird man selber. Drogen in Mengen sind immer ungesund, völlig egal, ob es sich dabei um Rauschgifte oder gesellschaftlich legalisierte sogenannte Genußmittel wie Alkohol, Nikotin, Coffein oder Schokolade handelt. Gerade die Vieltrinker unter den neokeltischen Kriegern sollten sich fragen, ob ein Rauschmittel, das zuerst das Urteilsvermögen schwächt, dann die Reaktionsgeschwindigkeit senkt und schließlich die Sinneswahrnehmung beeinträchtigt, das ist, was er braucht.
Ich habe nichts dagegen, gelegentlich Alkohol oder Kaffee zu trinken, auch Schokolade und Zigaretten sind mir durchaus vertraut. Wichtig ist mir, daß es eben ein »Genuß«mittel bleibt und nicht zum Dauerkonsum ausartet.
Ein Krieger ist immer für eine Gemeinschaft da, die er notfalls unter Einsatz seiner körperlichen Fähigkeiten zu verteidigen hat. Damit ist es für jeden Krieger lebensnotwendig, seinen Körper in den bestmöglichen gesundheitlichen Zustand zu versetzen.

Ausbildung im Umgang mit historischen und modernen Waffen:

Zugegeben, hier haben wir nun möglicherweise ein Problem, aber keines, das man nicht lösen könnte. Wer fechten lernen möchte, wird hierfür eine Möglichkeit finden, sei es in Fechtsportvereinen oder in Reinactmentgruppen. Notfalls kann man sich im Internet auf die Suche nach einem Schwertmeister begeben. Heute ist schließlich fast jede Information verfügbar. Bogenschießen, Axt- oder Speerwerfen, was immer es an historischen Waffentechniken gibt, man kann sie erlernen, notfalls im Alleingang, wenn es auch mit einem professionellen Lehrer sicherlich einfacher ist. Bei den modernen Waffen wird es da schon schwieriger aber auch hier gibt es Schießvereine (ich vermeide bewußt das Wort Schützenvereine, da die sich im allgemeinen eher mit dem exzessiven Wirkungstrinken befassen). Der Erwerb eines Jagdscheines zum Beispiel kommt in Frage. Eine Verpflichtung bei Armee oder Polizei würde sogar mehrere Ausbildungsmöglichkeiten bieten, allerdings kann man sich dann die Gruppe, die man schützen möchte, nicht mehr aussuchen und die eigene Entscheidung darüber, wie man in welcher Situation reagiert, hat sich auch erledigt. Wie und wo man eine Ausbildung anfängt, muß jeder selber entscheiden. Wichtig ist, daß er es tut. Vor allen Dingen sollte jeder sich klar machen, was er unter einer Waffe versteht. In der richtigen Hand ist eine Stricknadel gefährlicher als ein MG.

Kampfsporttraining:

Um keine Mißverständnisse aufkommen zu lassen, ich finde Kampftechniken wie Karate oder Kung Fu, wenn sie von Könnern gezeigt werden, wundervoll. Das Problem mit ihnen ist, daß sie aus Asien kommen und (wie war das mit den drei untrennbar verbundenen Ebenen?) daß sie demzufolge nur dann wirklich funktionieren können, wenn der Schüler sich auch auf den geistigen und spirituellen Hintergrund einläßt. Wer das will, soll das tun, denn nur dann kann er damit wirklich Erfolg haben. Unser Übel ist es, daß wir hier eben keine überlieferten Traditionen mehr haben. Sciattachs Kriegerschule ist nun schon eine ganze Weile geschlossen und wird es - fürchte ich - auch noch einige Zeit bleiben. So wird es gerade in diesem Bereich immer in gewissem Sinne Stückwerk bleiben, was nicht heißen soll, daß man es ganz lassen soll. Wichtig ist es, daß Reaktionen geschult werden, daß man lernt, sich und andere zu verteidigen, ohne sich selbst oder den Gegner mehr als nötig zu verletzen. Wenn ich einen Angreifer sicher abwehren kann, ohne ihn dafür töten zu müssen, ist das immer ein Erfolg. Vor allem erspart es lästige Fragen vom Staatsanwalt. Dies sollte also immer das Ziel jeder physischen Ausbildung sein, egal ob mit oder ohne Waffen. Also heißt es auf die Suche nach dem ganz persönlichen Weg zu gehen, der einen diesem Ziel näher bringt.

geistige Ebene:

Schmerzbeherrschung:

Wer austeilen will, muß auch einstecken können. Im Ernstfall kann es lebenswichtig sein, daß es gelingt, Schmerz auszuschalten, damit man sich nicht durch ihn ablenken läßt, aber wie macht man das? Grundsätzlich ist erst einmal klar, daß Schmerzwahrnehmung von Mensch zu Mensch verschieden ist. Ein Migränepatient wird mit dem, was er für sich als mittleren Anfall bezeichnen würde, weiterhin arbeitsfähig sein, wenn auch mit gewissen Einschränkungen. Jemand der nur ganz selten Kopfschmerzen hat, wäre bei einem Anfall gleicher Intensität vermutlich ein jammerndes Häufchen Elend. Aber auch einundderselbe Mensch nimmt Schmerzen in verschiedenen Situationen unterschiedlich wahr. Ein versehentlicher Kratzer mit dem Fingernagel entlockt uns je nach Veranlagung ein »Autsch« oder einen Fluch unserer Wahl. Die Schrammen und blauen Flecke einer heftigen ***uellen Begegnung entdecken wir meist erst am nächsten Morgen.
Zu Anfang sollte sich also jeder, der meint, den Weg des Kriegers gehen zu müssen, mit der eigenen Wahrnehmung von Schmerz in den verschiedensten Situationen beschäftigen. Das ist der Grund, wieso es in früheren Kulturen für Krieger selbstverständlich war, sich bestimmten Schmerzen zu stellen, wie sie zum Beispiel durch Tätowierungen, Schmucknarben oder das Ausbrechen oder Zufeilen von Zähnen entstehen. In einer Zeit, in der uns Werbung suggeriert, daß man ja nur das Produkt XYZ schlucken muß, damit alles wieder gut ist, gerät derjenige, der zunächst versucht, sich mit den anfallenden Schmerzen auch ohne Medikamente zu arrangieren, schnell in den Ruf eines Masochisten. Langfristig gesehen gewinnt er immer, gegen die Preisforderungen der Pharmaindustrie, gegen die lange Liste von Nebenwirkungen und vor allen Dingen gegen sich selbst,
Damit kein falscher Eindruck entsteht, ich rate niemandem Schmerzen unbekannter Herkunft zu ignorieren, statt zu einem Arzt zu gehen. Ich will, daß man lernt mit bekannten Schmerzen umzugehen, die uns alle immer wieder heimsuchen, damit man erkennt, nach welchem Prinzip man Schmerzen abmildern, oder gar ganz abstellen kann. Wenn wir dieses Prinzip für uns gefunden haben, können wir es auch anwenden, wenn wir zum Beispiel mitten in einem Kampf den Schmerz einer Verletzung ausschalten müssen.
Die einfachste Methode ist Ablenkung. Unser Hirn kann nun einmal nur eine bestimmte Menge an Information pro Zeiteinheit verarbeiten. Wenn es mit anderen Informationen voll ausgelastet ist (***, ein spannender Film oder eine konzentrierte Arbeit), hat es einfach nicht genügend Arbeitsspeicher, um sich auch noch um den Schmerz zu kümmern. Der Nachteil an der Geschichte ist, daß es sich meistens nach Ende der Ablenkung an die Warteschleife mit der Schmerzinformation erinnert und uns dann nach dem Kino mit 100 Minuten Kopfschmerzen in der Sammelpackung beglückt. Für einen kurzen Kampfeinsatz mag diese Methode also durchaus taugen, zumal der schon oben erwähnte körpereigene Drogencocktail noch zusätzlich schmerzstillend wirkt.
Was aber ist, wenn es mal länger weh tut und man dennoch leistungsfähig bleiben muß. Da hilft nur intensives Training. So wie Muskeln nur wachsen, wenn wir sie benutzen, muß auch die Verständigung zwischen uns und unserem Körper immer wieder geübt werden. Meditation und Visualisierung spielen dabei eine wichtige Rolle. Wie weit es möglich ist, allein durch Konzentration nicht nur die Weiterleitung von Schmerz zu unterbrechen, sondern auch Blutungen trotz offensichtlicher Verletzungen zu verhindern, beweisen die schon fast zum Klischee verkommenen indischen Jogis auf ihren Nagelbrettern.
Es ist also keine Frage ob man das eigene vegetative Nervensystem bewußt kontrollieren kann, sondern wie. Da kann ich nur an die Vorstellungskraft des angehenden Kriegers appellieren. »Mind shapes body.« Zunächst wird es lange dauern, sich den gewünschten Zustand in allen Einzelheiten vorzustellen - stark, leistungsfähig, reaktionsschnell, schmerzfrei etc., aber wenn man die Übungen immer wieder wiederholt, wird sich oft zum eigenen Erstaunen Erfolg einstellen. Ein Erfolg, den man sich, um im keltischen Kontext zu bleiben, mit den entsprechenden Tätowierungen bestätigen kann, selbstverständlich ohne eine Betäubung der Haut.

Angstmanagement:

Wie schon bei dem Mythos über den furchtlosen Helden gesagt, ist Angst zunächst einmal nichts anderes als ein Warnsignal. Leider nur ist diese nützliche Einrichtung inzwischen bei den meisten Menschen zu einem Problem mutiert. Statt daß Angst uns vor halsbrecherischen Aktionen warnt, behindert sie unser tägliches Leben immer mehr, jedesmal, wenn wir dieser Angst nachgeben. Wenn wir diesem Mechanismus nicht entgegenwirken, werden wir uns irgendwann mit hochgezogenen Knien in einer Zimmerecke wiederfinden, unfähig, ohne Hilfe von Außen dort wieder weg zu kommen. Dies ist kein Zustand, in dem ein Mensch ein hilfreiches Mitglied einer Gemeinschaft sein kann, schon gar kein Krieger.
Also gilt es, die Angst wieder zu dem zu machen, was sie eigentlich sein sollte, ein hilfreiches Alarmsystem. Genau wie bei bei der Schmerzbeherrschung ist auch hier Ausdauer gefragt. Es gilt zuallererst auf die Suche nach all den kleinen Ängsten zu gehen, denen auszuweichen wir in jahrelanger Übung perfektioniert haben. Hinter ganz vielen »ich mag das nicht« steht eigentlich ein »ich trau mich das nicht«. Nein, ich erwarte nicht, daß Menschen mit Höhenangst schlagartig zu Freeclimbern mutieren, sondern daß sie auf die Suche nach dem Grund für diese Angst gehen und sie in kleinen Schritten Stück für Stück wegtrainieren. Um bei der Höhenangst zu bleiben, sollte man vielleicht mit einer Trittleiter anfangen. Wichtig ist es, den Grund und die Funktionsweise der Angst herauszufinden, denn wie schon gesagt handelt es sich ja im Ursprung einfach nur um die Warnung, daß man, wenn man sich an einen Abgrund stellt, dies nicht unvorsichtig tun sollte.
Gegen all die kleinen Ängste kann man nur gewinnen, wenn man sich ihnen stellt, wenn man gedanklich so detailliert wie man nur kann alle Möglichkeiten durchspielt, was einem in der angstmachenden Situation alles passieren kann. Es hilft, dabei die Angst zunächst als Gegner zu betrachten. Je genauer man seinen Gegner kennt, je klarer man sein Gesicht sieht, umso eher kann man ihn bekämpfen.
Wirklicher Kampf birgt große Risiken und es ist nur natürlich, daß man vor ihnen Angst hat. Wenn man gelernt hat, mit den kleinen, alltäglichen Ängsten umzugehen, kann man sich daran machen, sich die Ergebnisse einer realen physischen Konfrontation vorzustellen. Verletzungen, Invalidität, Tod, um nur die die körperlichen Schäden zu nennen. Entsprechende Ausbildung erhöht die eigenen Chancen und mindert die eigenen Gefahren. Ein Grund mehr, sie intensiv zu betreiben. Aber was nutzt die beste Ausbildung, das härteste körperliche Training, wenn im entscheidenden Augenblick unsere Angst uns lähmt wie das Kaninchen vor der Schlange?
Was also tun. Für mich war es hilfreich, mir den denkbar schlimmsten Ausgang für mich so genau wie möglich vorzustellen. Mit der ständigen Wiederholung verloren die Bilder von Schmerz und Tod mehr und mehr ihren Schrecken. Für mich ist die Unsterblichkeit der Seele keine Glaubensfrage sondern eine Tatsache und das sollte sie für jeden, der sich als Kelten auch im spirituellen Sinn bezeichnet, auch sein. Was also ist, wenn wir hier doch alle nur zu Besuch sind, so schlimm daran, diesen Besuch zu beenden, nach Hause zu gehen und ein andermal wieder zu kommen?
Zugegeben, der Satz: »Kämpfe, als seiest du bereits tot!« stammt aus der japanischen Kriegertradition, aber warum sollte er für einen Kelten nicht gelten? Wenn man davon ausgeht, daß das, wovor man sich fürchtet, bereits eingetreten ist, kann man sich wichtigeren Dingen zuwenden, als Angst zu haben, zum Beispiel die gerade ablaufende Konfrontation zu gewinnen.

Konfrontationspsychologie:

Ein Kampf, der nicht stattfindet, weil mein Gegner einen Rückzieher macht, ist ein risikolos gewonnener Kampf. Unabhängig davon, wie gut ich selbst tatsächlich bin, gilt es den anderen vor allen Dingen glauben zu lassen, daß ich auf jeden Fall besser bin als er. Das mag nicht immer funktionieren, aber jeder Zweifel, den er hegt, ist ein Pluspunkt auf meiner Seite. Hier heißt es also, sich intensiv mit nonverbaler Kommunikation, auch Körpersprache genannt, zu beschäftigen.
Wenn wir uns mit Worten mit anderen Menschen unterhalten, ziehen wir stets in Betracht, daß unser Gegenüber lügen könnte. Unterhalten wir uns hingegen mit Körpersignalen, glauben wir dem anderen normalerweise jeden Augenaufschlag. Es ist ein Irrtum zu denken, daß man mit Körpersprache nicht lügen kann. Die meisten Menschen sind vielleicht nicht geübt darin, aber man kann es lernen und man sollte vor allen Dingen nicht außer Acht lassen, daß auch unser Gegenüber diese Kunst erlernt haben mag.
Ich kann ohne ein einziges Wort zu sagen, meinem Gegenüber das Bild eines überlegenen Gegners präsentieren. Ich kann das »mind shapes body Prinzip« auch nach außen verlegen. Allerdings sollte ich darauf achten, daß ich mir dabei nicht selbst widerspreche, etwa mit einem Bierbauch oder sichtbar schlaffer Muskulatur. Ich kann ihn glauben lassen, daß ich über langjährige Erfahrung, einen stahlharten Körper und die Reflexe eines Raubtieres verfüge. Kelten waren in dieser Hinsicht immer schon talentiert. Ein demoralisierter Gegner ist ein leichter Gegner. Gutes Showtalent ist gefragt, nicht provinzielles Laientheater. Ein Krieger sollte immer davon ausgehen, daß er Profi ist und sich entsprechend verhalten.
Gleichzeitig mit der Information »ich bin Dir überlegen« kann ich meinem Gegenüber aber auch die Idee unterbreiten, daß es vielleicht neben der Konfrontation auch noch andere Möglichkeiten gibt. Während ich also meine mühsam in der Mukki-Bude angearbeiteten Muskeln ins beste Licht rücke und ihm mit einer Kombination aus Wachsamkeit und Lässigkeit suggeriere, daß ich ihn zwar als potentielle, aber nicht sehr große Gefahr einschätze, kann ich ihm mit Worten die Möglichkeit eröffnen, den Konflikt friedlich beizulegen, was für ihn ja eigentlich nur ein Gewinn sein kann, da er mir ja ohnehin unterlegen ist.
Hüten sollte man sich allerdings, diese eigene Show für bare Münze zu nehmen und damit in Größenwahn zu verfallen. Ich selbst darf über dem Bild, das ich nach außen vermittle, nie vergessen, wie gut oder schlecht ich wirklich bin und ich sollte immer ein paar Tricks auf Lager haben, falls mein Gegner meine Vorstellung durchschaut.

Ethiktheorie:

Moralische Grundsätze sind Sicherungen, die Menschen sich einbauen, damit sie in einer Gemeinschaft miteinander leben können. Wie schon oben erwähnt, gibt es kein absolutes »Gut« oder »Böse«. Da der Weg des Kriegers immer an eine Gemeinschaft gebunden ist, orientiert sich also sein ethischer Kodex hauptsächlich daran, was dieser Gemeinschaft nützt und was ihr schadet. Aber darüber hinaus gibt es Grundregeln, die über den Sippenhorizont hinausgehen. Die Tatsache, daß er Waffen trägt und zum Kämpfen ausgebildet wurde, bedingen nun einmal ein paar Zusatzsicherungen, die bei anderen Menschen vielleicht nicht nötig sind. Sich an all diese Ge- und Verbote zu halte, kann man mit einem Wort zusammenfassen: Ehre.
Und damit befinden wir uns auf sehr dünnen Eis, denn die meisten »Krieger« denen ich bisher begegnet bin, verwechselten Ehre mit Stolz. Diesen Unterschied herauszufinden ist eine der wichtigsten Denkaufgaben für einen angehenden Krieger. Gerade der Stolz eines jungen Kriegers hart am Rande des Größenwahns fühlt sich schnell angegriffen. Dazu genügt schon ein dummer Scherz oder eine abfällige Bemerkung. Die Ehre können solche Belanglosigkeiten nicht treffen, dazu ist schon eine massive Diffamierungskampagne nötig und auch sie kann nur meine Ehre in den Augen der anderen mindern. Ich selbst kenne ja die Wahrheit und wenn ich Maßnahmen treffe, um meine Ehre wiederherzustellen, tue ich das genaugenommen ja auch nur für die anderen.
Davon mal abgesehen kann aber nur ich selbst meine Ehre mindern oder vermehren und zwar einzig und allein durch mein Verhalten. Die körperliche und waffentechnische Überlegenheit gegenüber Nichtkriegern ist immer und überall ausgenutzt worden und genau deshalb geächtet. Niemals darf der Eindruck entstehen, daß man besser ist als die anderen und schon gar nicht darf das Gewaltmonopol zum eigenen Vorteil genutzt werden. Beides schadet immer der Gemeinschaft, die zu schützen doch die einzige Existenzberechtigung ist, die es für Krieger gibt.
So ist es wichtig, daß jeder, der diesen Weg gehen will, sich immer wieder fragt, warum er in welcher Situation wie handeln möchte, bevor er es tut. Wem nützt diese Handlung, wem schadet sie? Mißbrauche ich die Macht, die mir mein Stand gibt, oder setze ich sie ehrenvoll für meine Gemeinschaft ein? Wieviel Gewalt darf ich wann einsetzen und gegen wen? Wann darf ich jemanden verletzen oder gar töten? Wann ist mir jede Form von Gewalt verboten, selbst wenn es mich mein eigenes Leben kostet?
Bin ich mir über diese Regeln klar geworden - manche sind universell gültig wie das Verbot, meine physische Überlegenheit zur Verfolgung meiner Privatinteressen einzusetzen - manche mögen Sondergeschichten sein, die nur für mich gelten - sollte ich sie für mich sozusagen als privaten Kodex aufschreiben und sie meiner Gemeinschaft vorlegen. Erst wenn sie mit diesen Regeln einverstanden ist, kann ich innerhalb dieser Gemeinschaft den Status des Kriegers erhalten. Von da an sind diese Regeln für mich verbindlich. Sie zu brechen bedeutet, meine Ehre zu mindern oder gar zu verlieren. Verlust der Ehre heißt auch immer Verlust des Kriegerstatus und in den meisten Fällen auch Verlust der Gemeinschaft. Die damit einhergehende Ächtung, der Verlust von Namen, Verwandschaftsbeziehungen und Freundschaften war für einen Kelten immer wesentlich schlimmer als der physische Tod, der im Grunde ohnehin nur eine Heimkehr bedeutete. Dies sollte jemand, der heute ein Krieger im keltischen Sinne sein möchte, niemals vergessen.

spirituelle Ebene:

Erkennung der eigenen Helfermächte:

Bei Teutates, bei Belenus, bei - nee Männer...
Ja, an wen wende ich mich den jetzt? Gibt es die spirituellen Mächte der alten Kelten überhaupt noch und wo finde ich sie? Da gibt es nur eine Möglichkeit: suchen gehen. Dafür sollte ich mir ein paar Fragen so ehrlich wie möglich beantworten.
Gibt es für mich hinter der physischen eine größere, umfassendere Realität?
Ergeben für mich alle Geschehnisse einen höheren Sinn, auch wenn ich ihn momentan nicht erkennen kann?
Ist der Wunsch, den Weg des Kriegers zu gehen, für mich ein Bedürfnis, mit dem ich zwar hadern, aber das ich nicht wirklich abstellen kann?
Bin ich mir bewußt, daß ich diesen Weg immer nur ganz oder gar nicht gehen kann?
Geht es mir bei diesem Weg um die damit verbundene Verantwortung oder die Macht?
Ich sollte mich bei den ersten vier Fragen nicht mit einem leichtfertigen Ja zufrieden geben, denn die Mechanismen, die wir entwickeln, um uns selbst zu belügen, sind von unglaublicher Vielfältigkeit. Ich sollte die Fragen immer wieder stellen und unter den verschiedensten Gesichtspunkten. Bleibt da Ja auch, wenn ich grade krank oder frisch verliebt bin? Bleibt es auch, wenn ein naher Verwandter stirbt oder ich im Lotto gewinne. Nur, wenn ich mir nach einer ganzen Weile und einer Menge von Tests, die die Selbstbelügungsmethoden ausschalten sollen, immer noch sicher bin, daß es bei dem Ja bleibt - möglicherweise mit geballten Fäusten und zusammengebissenen Zähnen, hat es Sinn, mich ernsthaft auf den Weg zu machen.
Was die fünfte Frage anbetrifft, so muß jeder selbst auf die Antwort kommen, die Sinn macht und sie ist nicht so offensichtlich wie es scheint.
Ist man nun an dem Punkt angekommen, daß man sich einigermaßen sicher sein kann, eine ehrliche Antwort gefunden zu haben und sie einhellig Ja lautet, steht also fest, daß es offensichtlich einen Grund für diesen unseren Lebensweg gibt, der aus einer umfassenderen Realität stammt, als es die real existierende BRD des Dritten Jahrtausends ist. Demzufolge muß es auch Kräfte geben, die mich auf diesem Weg unterstützen. Wo fange ich nun mit der Suche nach ihnen an - überall. Das was ich suche, kann sich mir in jeder nur erdenklichen Form zeigen, in Tiergestalt, als Wolkenformation, in einem Traum, als Textstelle in einem historischen Dokument. Was ich tun muß, ist, meine Sinne für das Ungewöhnliche zu schärfen. Dafür muß ich beobachten, denn wenn ich nicht weiß, wie ein Tier sich normalerweise verhält, kann ich auch nicht beurteilen, ob es von dieser Norm abweicht oder nicht. Ich muß lernen, nicht nur daran zu glauben, daß es mehr gibt, als mir meine Augen zeigen, sondern ich muß es auch erkennen. Das heißt, ich muß aufhören, die gesellschaftlichen Normen, was man sehen kann und was nicht, für mich abzustellen - ein Unternehmen, das viel schwerer ist, als es zunächst erscheint. Wenn ich nicht von Anfang an die Möglichkeit habe, meine Wahrnehmung mit der von anderen Gleichgesinnten zu vergleichen und zu hinterfragen, besteht eben auch die Gefahr, daß ich anfange, Dinge als real zu empfinden, die meinen Wunschträumen entspringen.
Jeder spirituelle Weg ist eine Gratwanderung, auch der des Kriegers. Er hat Zeiten der Erkenntnis und Zeiten des Zweifels. Er führt mitnichten gut überschaubar geradeaus, sondern windet sich eng und verschlungen durch die finstersten Ecken unserer Psyche. Dieser Weg ist gefährlich. Man kann sich verirren oder in einen Abgrund fallen, aber das ist nun mal das Risiko, das man vor allen Dingen als Krieger zu tragen hat. Wenn man eine angenehme Existenz mit berechenbaren Parametern sucht, sollte man sich auf diesen Weg nicht einlassen.
In älteren Kulturen schickte man junge Krieger auf die Suche nach ihrer Vision. Nicht, daß diese Methode heute nicht mehr anwendbar wäre. Auch in Deutschland ist es möglich, sich drei Tage allein in die Wildnis zurückzuziehen, wenn man meint, daß das nötig ist. Manchmal hilft es aber auch weiter, sich auf die physische Reise zu den Orten zu begeben, an denen sich keltische Kultur am längsten gehalten hat und an denen die Kräfte, die diese Kultur geprägt haben, noch immer stark sind.
Auf jeden Fall sollte man aber von allzugroßen Erwartungen Abstand nehmen. Die ersten Begegnungen dieser Art sind meist sehr leicht zu übersehen. Große Visionen sind eher die Ausnahme und wenn, dann treten sie erst ein ganzes Stück weiter auf dem Weg auf.
Auch die Zuhilfenahme eines vertrauten Orakelsystems kann uns bei unserer Suche helfen. Wirklich weiterbringen würde uns natürlich eine funktionierende Gemeinschaft, in der Krieger diesen Weg schon sehr viel länger gehen als wir und in der Priester uns bei der Interpretation unserer Erfahrungen bei unserer Suche helfen können. Leider ist dies zur gegenwärtigen Zeit eher die Ausnahme. Denn meistens funktionieren weder die Gemeinschaften noch die Krieger noch die dazugehörenden Priester als das, was sie sein sollten.
Um trotzdem aber schon einmal einen Anfang zu setzen, prüft, ob ihr mit den klassischen Seelentieren eines Kriegers etwas anfangen könnt, wie Wildschwein oder Wolf. Besucht sie im Tierpark, betrachtet ihre Lebensweise, ihre Art Gemeinschaften zu bilden, lernt ihre Mimik zu verstehen. Betrachtet die Vögel, die Kriege begleiten, Raben und Krähen und stellt fest, ob ihr zu ihnen irgendeine Verbindung herstellen könnt.
Informiert euch über die Formen, Namen und Eigenschaften, die die Kelten ihren Kriegsgottheiten gegeben haben. Versucht, ob ihr mit dem Prinzip, das sie jeweils vertreten, etwas anfangen könnt und ob sie euch vielleicht antworten, wenn ihr sie ruft.

geasa:

Für alle diejenigen, denen dieser Begriff fremd sein sollte, ein geis ist ein Ge- oder Verbot, dessen Übertretung unabwendbares Unheil nach sich ziehen kann. Abgesehen von den klassischen geasa, die uns meist schon von der Geburt an oder bereits aus früheren Leben begleiten, möchte ich den Begriff auch auf die Einschränkungen ausweiten, die wir uns selber meist unbewußt im Laufe unseres Lebens auferlegen. Diese Einschränkungen behindern uns bei unseren Handlungen, sie trüben unser Urteilsvermögen. Es gilt sie aufzuspüren und so gut wie möglich zu beseitigen. Ein Teil dieser Arbeit würde sicherlich auch in den intelektuellen Bereich fallen, aber wie schon gesagt, gehen bei einem Triskel die Spiralen ineinander über und es ist nie genau festzustellen, wo die eine aufhört und die andere anfängt.
Es gilt herauszufinden, warum wir oft fern jeglicher Rationalität reagieren, wenn bestimmte Schlüsselworte oder -handlungen stattfinden. Wir selbst sollten unsere eigenen Unzulänglichkeiten besser kennen, als jeder andere, denn gegen einen Gegner, der besser weiß wie ich, wie ich funktioniere, habe ich bereits verloren.
Es steht also eine archäologische Grabung an. Wann immer ich feststelle, daß ich in einer Situation anders handle, als es mir eigentlich mein Verstand gebietet und ich mich hinterher für diese Handlungsweise schäme, oder mich über soviel Dummheit ärgere, sollte ich auf die Suche gehen, wann mir in einem ähnlichen Zusammenhang das Gleiche passiert ist. Immer weiter zurück, bis mir das Prinzip hinter dem »geis« klar wird und ich den Punkt gefunden habe, an dem es anfing. Ich kann es als Programm betrachten, das damals installiert wurde. Wenn ich weiß, wie und in welchem Zusammenhang dieses Programm geschrieben wurde, kann ich es umschreiben oder löschen.
Zurück zu den klassischen geasa. Auch sie können selbstauferlegt, oder uns von einer äußeren Macht, einem Prinzip mitgegeben worden sein. Die Suche nach ihnen gestaltet sich kaum anders. Manchmal findet man sie, indem man akribisch einander ähnelnde Situationen miteinander vergleicht, manchmal stoßen wir auf sie, wenn wir für manche unserer Verhaltensweisen keine selbstgeschaffenen Blockaden entdecken können. Diese »echten« geasa zu lösen ist ungleich schwieriger. Immerhin haben wir es hier normalerweise nicht nur mit der eigenen vertrackten Psyche zu tun. Meist beinhalten sie aber, so wir sie denn formulieren können, bereits die Lösungsmöglichkeit. Da bleibt dann also nur, die gestellten Bedingungen zu erfüllen, aber das kann mehr als ein Leben dauern.

Anbindung an das zuständige höhere Prinzip im Rahmen einer Initiation:

Eigentlich hätte dieser Punkt an jeder beliebigen Stelle dieses Textes stehen können, denn eine Initiation ist weder Anfang noch Schlußpunkt dieses Weges, sie ist der Weg. Natürlich sollten rituelle Handlungen den Beginn und bestimmte Stationen markieren, so wie dies die Jahreskreisfeste im Reigen der Zeit tun. Es ist aber ein Irrglaube, daß man mit einer Initiation einen Zielpunkt erreicht hat. Es gibt also niemals ein Bündel Lorbeeren, auf dem man sich ausruhen kann.
Natürlich kann man den Weg auch ohne priesterlichen Segen und öffentliche kultische Handlungen gehen, aber warum sollte man sich die Unannehmlichkeiten, die er nun mal unweigerlich mit sich zieht, nicht durch ein paar festliche Bilder erleichtern, die der archaischen Seele, die jeder Krieger in sich trägt, gut tun?
Mit einer offiziellen Einleitung einer Initiation nehmen wir uns auch eine weitere Möglichkeit, uns vor ihren Konsequenzen zu drücken. Wenn der ganze Stamm weiß, daß ich mich auf diesen Weg eingelassen habe, kann ich nicht mehr auf der faulen Haut liegen, ohne mich ihrer Kritik und ihrem Spott stellen zu müssen. Ich kann vor den Aufgaben, die sich mir stellen, nicht mehr weglaufen. Das »Ganz oder Garnicht« hat eingesetzt. Ich kann mich nur dem Weg entsprechend entwickeln, oder scheitern. In früheren Zeiten war dieses Scheitern oft genug mit dem physischen Tod verbunden. Das ist heute nicht zwangsläufig so, aber eine Garantie, daß wir im Falle eines Abbruches der Initiation mit dem Leben davon kommen, gibt es auch nicht. Man kann eben genausowenig ein bißchen Krieger sein, wie ein bißchen schwanger.
Niemals ist je versprochen worden, daß dieser Weg einfach ist. Dennoch hofft es jeder. Jedem Initiaten wird gesagt, daß es ihm das Leben auf den Kopf stellen, das Innerste nach außen kehren und sämtliche bisherigen Vorstellungen in Frage stellen wird. Alle Initiaten pflegen darauf ernst mit dem Kopf zu nicken und »Ja, ich weiß« zu antworten. Jahre später werden sie amüsiert zurückblicken und feststellen, wie wenig sie doch damals wußten.
Jede Initiation, egal in welche Richtung der anggestrebte Weg auch führt, schlägt uns unser bisheriges Leben um die Ohren. Für Krieger, deren Funktion innerhalb einer Gemeinschaft nun mal die Stabilisierung nach innen und der Schutz nach außen ist, gilt das oft genug im ureigensten physischen Sinn. Zerbrechen von Familienbanden und Partnerschaften, Verlust von Arbeitsplätzen und Vermögen, schwere Krankheiten, all dies ist normal. Ein Krieger muß kämpfen lernen und dafür muß er sich darüber im klaren sein, wofür er kämpft.
Hat man nun einen Teil des Weges hinter sich gebracht, sozusagen das Klassenziel der ersten Stufe erreicht, sollte auch dies rituell gewürdigt werden, zum einen, weil Feiern nun mal zum Leben dazu gehört, zum anderen, damit die Waffe, die ein Krieger nun mal darstellt auch eine Sicherung erhält. Eine offizielle Vereidigung auf einen Kriegerkodex, eine genauso formelle Anbindung an die Gemeinschaft machen einen Mißbrauch der Privilegien schon erheblich schwerer. Je archaischer die Rituale, je archetypischer die Bilder sind, desto funktionsfähiger ist diese Sicherung. Untrennbar gehört zu dieser Anbindung, daß der neue Status für andere sichtbar wird. Im keltischen Kontext bietet sich hier eine Tätowierung an. Sinnvoll ist der geschlossene Oberarmreif, da er gleichzeitig für den neuen Krieger die Möglichkeit beinhaltet, sich und den anderen zu beweisen, daß er gelernt hat, mit Schmerz umzugehen. Wer meint, daß solche Zeichen doch sowieso von keinem mehr verstanden würden, ist ein schlechter Beobachter. Es mag den meisten Menschen, denen man begegnet, nicht bewußt werden, was sie da sehen. Ihr Unterbewußtsein versteht es sehr gut und ihr Körper antwortet darauf.

Abschließend kann ich nur sagen, ich rate jedem davon ab, sich auf diesen Weg leichtfertig einzulassen. Er birgt viel Schmerz, Enttäuschung und Verzweiflung. Ich habe viele kennengelernt, die daran gescheitert sind und es waren Menschen darunter, die ich sehr geliebt habe. Dennoch ist er gangbar. Ich muß es wissen, denn ich gehe ihn bewußt seit mehr als sechs Jahren und lebe immer noch. Jedem, der es trotz des Risikos wagen will, wünsche ich Erfolg, den Schutz der Götter und das Verständnis seiner Mitmenschen.
Für alle, die sich allerdings vor diesem Weg drücken, aber gerne vor Publikum den großen Helden markieren, ohne die Konsequenzen tragen zu wollen, für alle diese Morrigans, CuChullains oder wie sie sich nennen mögen, empfehle ich eine Mitgliedschaft in einem Karnevalsverein.

 

Conn


 

Am 02 Juni 2003 begann ich eine Diskussion auf dem Forum "Kriegerträume"
unter dem Alias "Ein einfacher Krieger". Das Alias aus zwei Gründen.
 

1. um den Text wertfrei für sich sprechen zu lassen.
2. Da es mir zu der Zeit nicht möglich war auf dem
    Forum unter meinem Namen zu Posten und dann
    eine objektive Antwort zu erhoffen.

 

Was daraus wurde war sehr spannend.
 

Kriegerseele


Immer und immer wieder, ein Leben lang dieselbe Frage. Jeden Tag aufs Neue und immer wieder ohne eine befriedigende Antwort zu erhalten. Ok, das Gefühl tief in einem drin, dass da noch etwas ist, eine Kraft welche einem manchmal die Luft zum Atmen nimmt, übermenschlich und nicht zu bändigen, daran gewöhnt man sich mit der Zeit. Doch klärt es nicht die Frage sondern vertieft sie.

Eine Antwort?

Nun, wäre schöne aber ist sie wirklich wichtig? Gibt es nicht tausend Dinge, welche uns von der Suche nach einer Antwort ablenken können? Ja, aber und aber viele Unwichtigkeiten welche uns vor uns selber schützen. Job, Freundschaften, Kinder und nicht zu guter Letzt die Liebe. Wie ein Teppich aus Belanglosigkeit legt er sich über die doch zentrale, wenn nicht sogar elementare Frage nach dem Pochen in uns, diesem Ruf nach etwas, was wir für uns in diesem Leben nicht akzeptieren wollen, die Frage nach dem Krieger.

Der Krieger?

Was bedeutet das?

Hat das überhaupt eine Bedeutung, Heute im Jetzt und Hier?

Diese Frage kann man sich immer wieder aufs Neue stellen und man findet auch nach langer Suche eine gerade passende Antwort.

Krieger?

Klar, ein schöner Titel, schmückt gut und hat so etwas heroisches. Wer hat nicht Gladiator bewundert oder Rob Roy, Männer wie William Wallace, tapfere Legenden? Aber Heute sind wir ja ganz brave, zahme Krieger und mit Krieg hat der Krieger ja sowieso nichts zu tun. Unsere Waffen sind die Worte und Gedanken, Krieger der Poesie…….. und was nicht sonst noch für ein Scheiß. So lügen wir uns um die vermeintliche Wahrheit sauber herum ohne in den Verdacht zu kommen man sei gewalttätig oder würde Gewalt verherrlichen. Nein, wie könnte man auch nur im entferntesten darauf kommen, Krieger hätten was mit Krieg zu tun, allerhöchsten mit dem Krieg in sich selber und blafasel…..

Krieger?

Was würde es denn bedeuten, den Krieger in sich selber zu erkennen und zu akzeptieren? Könnte man so weiter Leben wie bisher wenn man ihm den Raum gibt, welchen er für sich beansprucht? Das Leben ändern, nur weil man erkannt hat, das die Seele welche in einem wohnt die Seele eines Kriegers ist? Nee, das könnte dann ja bedeuten, man müsse etwas ändern und wer mag schon die Veränderung! Zu viele Dinge müsste man sich wohl dann eingestehen und sich selber sehr kritisch betrachten. Also bleiben wir bei dem Phantasiegebilde des „sanften Kriegers“ welcher mit Worten und seichten Sprüchen ins Schlachtfeld Internet zieht und fühlen uns dabei ganz toll. Man könnte sich ja noch ein Schwert zulegen, so im Gedenken an vergangene Tage und ein Kettenhemd, welches den Bauch des Wohlstandes ein wenig verdeckt. Auf Treffen von den großen Taten unserer Ahnen reden, welche ja keine Mörder waren wenn sie auf dem Schlachtfeld einen Feind in Stücke schlugen, nein sie waren Helden. Der Soldat von Heute, das ist der Mörder, schließlich tötet er ja nicht mehr mit der Achtung und der Ehre gegenüber seinem Feind und überhaupt wieder blafasel…blafasel….

Warum verdammt noch mal haben die Götter Kriegerseelen geschaffen, warum? Seit meiner Jungend denke ich darüber nach, glorifiziere das Bild des Kriegers um es im nächsten Atemzug zu verdammen und einen Ekel gegen diese „Schlächter“ zu empfinden und schiebe es von mir weg. Schreibe seichte Scheiße über Krieger in Foren und versuche ein Lamm aus der Kriegerseele zu machen. Doch immer wieder holt es Dich ein wenn in Dir eine solche Seele wohnt, nimmt Dir die Chance es zu verleugnen. Unterdrücken, das geht! Habe ich selber jahrelang gemacht. Doch dann, in der Nacht, wenn die Erinnerung kommt, Dich überfallen und Dir den Schlaf rauben, immer öfter und immer massiver, was machst Du dann?
Verdrängen?
Immer und immer wieder?

Dann triffst Du plötzlich andere Menschen, welche sich „Krieger“ nennen, manche von Ihnen sind es wirklich und verdrängen es genau so wie man es selber verdrängt. Teilen die Erinnerung mit Dir und fragen sich, wie Du Dich selber, warum die Einen immer unversehrt aus der Schlacht gingen und Andere bei ersten Mal auf dem Feld liegen blieben. Denn genau daran erinnern sie sich, daran das sie immer wieder von Schlacht zu Schlacht mit heiler Haut rausgekommen sind. Das sie andere zu Grabe trugen und das immer mit so einem Hauch von schlechtem Gewissen. Sich fragten ob sie nun tatsächlich um so viel besser waren als die anderen. Immer wieder die Frage:
Warum?
Je näher man jedoch an die Antwort kommt um so unangenehmer wird es und um so mehr versucht man der Antwort auszuweichen, eine andere Wahrheit zu finden, eine andere Erklärung. Den meisten gelingt das dann auch, mir ist es auch gelungen, immer wieder aufs neue viele Jahre lang bis zu dem Moment, da etwas sehr einschneidendes passierte, meine Welt in Trümmern vor mir lag und ich den größten Schmerz meines Lebens erfahren musste. Ich dem Tod näher stand als zu irgendeinem Zeitpunkt zuvor in diesem Leben.

Ja, dann, wenn der Punkt kommt, da man Dir alles genommen hat, Du sogar Deinen Glauben an Dich selber nicht mehr findest, Du verbannt bist in der totalen Isolation zu leben, jedes Licht in Deinem Sein erlischt und der Schmerz eine Qualität erreicht, welche Dich dem Wunsch nach sterben näher bringt als es der natürliche Überlebenstrieb ausgleichen könnte, dann bist Du da. Angekommen an der Grenze der Entscheidung zwischen Überleben und sich selber zu erkennen und der Alternative sich selber zu richten. Doch wenn die Entscheidung auf das Leben fällt, dann nicht auf das Leben wie es war, denn das ist es ja nicht mehr. Zurück in etwas was nicht mehr da ist?

Unmöglich!

Und ohne sich der Tragweite und der Konsequenz bewusst zu sein wird man überwältigt, in einem kurzen Moment der Unachtsamkeit, bricht es aus Dir heraus mit all seinen Erinnerungen und allem Schmerz. Du stehst vor dem Spiegel deines Selbst ohne auch nur die kleinste Option auf Erlösung zu haben. Erkennst Dich selber, vergleichst das Bild Deiner Bestimmung mit dem Bild im Spiegel und erschrickst. Beginnst Dich vor Dir selber zu schämen und erträgst diese lächerliche Gestalt im Spiegel nicht mehr. Vollgefressen, ohne Form, nicht mehr fähig der Aufgabe gerecht zu werden, zu welcher er geschaffen wurde. Sanft wie das Lamm auf der Wiese und tausend tolle Worte im Kopf die anderen Menschen begreiflich machen können/sollen was für sanfte und gutmütige Männer diese Krieger doch sind. Wie ein zerbrochenes, stumpfes Schwert oder eine Axt mit gebrochenem Stil. Es überkommt Dich die Erkenntnis aus einem komaartigen Tiefschlaf erwacht zu sein. Du stehst vor dem Wrack Deines Körpers und deines ganzen seiens, verspürst zum ersten Mal wieder diesen Hunger, diese Lust, diese unbändige Kraft unter Deiner Haut. Dir wird bewusst, dass es nötig war zu sterben um dann, neu geboren, die Metamorphose zu erleben.

In diesem Moment ist Dir klar:

Der Krieger in Dir ist erwacht!

Und mit dem Krieger die Erkenntnis, was ihn ausmacht. Die Antwort auf all Deine Fragen findest Du direkt vor Dir und Du erschrickst!

Krieger!
Kriegerseele!

Was unterscheidet die Seele eines Kriegers von den Seelen der anderen?

Tage und Wochen überlege ich nun schon ob ich das posten kann oder nicht, jedoch wurde mir bewusst, dass es gar nicht um diese Frage geht sondern eher um die Frage ob ich es posten muss oder nicht! Ich muss es wohl schreiben, Hier und Heute, auch wenn man mich dafür steinigen wird und an den Pranger stellen. Doch schreit ruhig laut das alles nicht stimmt, denn egal wie laut ihr schreit, im innersten Eures seins wisst ihr es genau wie ich, vorausgesetzt in euch wohnt auch eine Kriegerseele.
Das Lustige daran ist, ich bin mir sicher, dass gerade die unter Euch, welche den Krieger in sich spüren und ständig versuchen ihn zu unterdrücken, am lautesten schreien werden und mit den größten Steinen werfen. Aber egal, ich für mich bin der Meinung keine Wahl zu haben und werde es sagen, so wie ich es denke und fühle. So wie ich die Erkenntnis für mich gewonnen habe und wie ich meine, das es richtig ist.

Der Unterschied:

Es ist die Lust am Kampf, die Lust daran blankes Metall in des Feindes Körper zu bohren und sein noch warmes Blut auf der Haut zu spüren. Herr zu sein über den Moment des Todes. Besser und stärker zu sein als der Gegner. Die Lust an dem Geschrei der Schlacht, dem Klang von aufeinander treffenden Stahl und dem Geräusch von brechenden Gebeinen. Es ist der fehlende Skrupel dies zu tun. Es ist das fehlende Zögern wenn Du im Angesicht des Feindes stehst welches Dir die Möglichkeit des Überlebens gibt. Genau dieser Bruchteil einer Sekunde, in welcher der Nichtkrieger sein Gewissen befragt, sich überwinden muss zu töten, genau dieser Bruchteil entscheidet zwischen Leben und Tot. Genau aus diesem Grund gaben die Götter dem Krieger diese Lust.
Nichts hat sich daran geändert. So steckt wohl in jedem Krieger der Soldat, nicht jedoch in jedem Soldaten der Krieger. So sind wir verdammt, als Schläfer durch diese Zeit zu gehen und uns einfach bereit zu halten für den Tag, da wir gebraucht werden.

Doch was fangen wir an mit dieser Erkenntnis und der uns gegebenen Zeit?
Einfach so weiter Leben?
TV, Party und Belanglosigkeit?
Oder beginnen dem Krieger wieder sein Recht zu geben das zu sein, was er ist? Diesen unbequemen und harten Weg in unser Leben aufnehmen? Uns nicht mehr den Ausreden hinzugeben welche uns ein Leben lang die Verantwortung für uns selber genommen haben. Uns bewusst machen, welche Verantwortung wir tragen, uns selber gegenüber und gegenüber dieser Welt. Wollen und können wir die Lektionen in Demut ertragen? Sind wir bereit dazu, es akzeptieren zu können was da in uns Schlummert? Wollen wir beginnen, uns nicht nur Krieger zu nennen sondern damit, wieder Krieger zu sein (ganz egal ob wir in diesem Leben als Krieger gebraucht werden oder nicht)?

Meine Antwort für mich steht fest, zu schmerzlich musste ich meinem inneren Krieger gegenüberstehen im Moment der dunklen Zeit. Erleben was es bedeutet in der Schlacht zu stehen und das zu tun für was der Krieger geschaffen wurde. Keine Frage zu stellen nach Gut oder Böse und Recht oder Unrecht. Einfach sich zu entscheiden für die Seite auf der man steht und dafür dann zu stehen. Finde keine Absolution und keine Entschuldung. Tat das, was es zu tun verlangte im Glauben daran, meine Pflicht getan zu haben. Im Glauben an den Krieger in mir und das es der Wille der Götter war.

Da schrieb mal ein Conn sehr viel über „seine“ Vorstellung vom Krieger und auch ich war einer von denen, der Steine nach ihm warf. Hatte er doch das ausgesprochen, was keiner hören will, hat er doch auf den Punkt gebracht, was den Krieger ausmacht und uns dadurch an unserem empfindlicher Punkt der Selbstübehrschätzung und an unserer Eitelkeit getroffen. Heute knie ich in Demut vor diesen Worten und muss mich entschuldigen denn Conn hat viele Aspekte des Kriegers begriffen und gut beschrieben. Sicher, nur ein Teil des Weges und einen Teil des Kriegers aber einen Anfang hat er gesetzt mit seinen Worten und beschrieben für was der Krieger da ist. Die zu beschützen, welche wir Clan und Brüder nennen, zu verteidigen was zu verteidigen ist und durch Schlacht und Krieg den Frieden zu sichern bis die Menschheit soweit ist ohne Gier und Machtsucht zu leben. Jeder dem Anderen das gönnt, was er hat und sich am Glück des Anderen freuen kann.

Wer weiß, wenn wir Glück haben sind uns die Götter dann gnädig und nehmen es von uns. Doch bis zu diesem Tage werde ich dienen, dienen als Krieger für meinen Clan, meine Familie, meine Brüder und Schwestern und für meine Freunde. Werde das Haus der Kriegerseele, meinen Körper, schärfen wie ich die Klinge meines Schwertes scharf halten werde. Meine Sinne schulen, den Geist klar halten und da sein wenn ich gebraucht werde. Werde wachen über die meinen und dem meinen Arm geben, welcher ihn braucht so wie meine Schulter dem gehören soll, welcher Trost sucht. Werde im Krieg gegen mich selber, gegen meine Bequemlichkeit wachsen, Tag für Tag. Und wenn der Krieg eines Tages auch in unser Dorf kommen sollte mit allem was ich habe kämpfen und hoffen das die, welche sich meine „Kriegerbrüder“ nennen dann an meiner Seite stehen, so wie einst in einer längst vergangenen Zeit und ich werde mir wünschen von einem angeführt zu werden, der die Würde und den Scharfsinn besitzt die richtigen Entscheidungen zu fällen.

Nun, mein Weg muss nicht der Eure sein und meine Meinung und meine Erkenntnis ist nicht Eure Wahrheit, doch denkt darüber nach und wenn jemand so fühlt wie ich es tue, dann mein Beileid und mein Glückwunsch, dieser Weg ist schnurgerade dennoch breit genug um sich auf ihm frei bewegen zu können…………


Gedanken eines einfachen Kriegers


Antworten:

 

Geschrieben von Ejnar am 05. Juni 2003 16:36:51:

Als Antwort auf: Kriegerseele geschrieben von ein einfacher Krieger am 02. Juni 2003 21:26:54:

Nach dem Fall er der ersten Ordnung kamen Wesen in die Welt, die nicht zu teilen imstande waren. Wesen, die die naturgegebene Ordnung nicht akzeptieren wollten, deren einziges Bestreben es war, viele andere zu unterjochen und sich von deren Energie zu nähren. Eine neue Ordnung wurde geschaffen. Sie basierte auf Macht, Verführung und Blendwerk.

Die alte Ordnung mag dem heutigen Menschen grausam anmuten, doch sie war natürlich gewesen. Sie erlaubte dem Menschen, im Einklang mit der großen Mutter und ihren Gesetzen zu leben. Gab es zu wenig Nahrung, starben Menschen. Gab Stürme, Fluten, Dürren, Erdbeben, Vulkanausbrüche, wurden Ernten vernichtet oder das Wild vertrieben, starben Menschen. Doch die wenigsten Menschen starben, weil sie von anderen Menschen erschlagen wurden. So selten wie heute der Wolf den Wolf reißt, so selten, wie der Löwe den Löwen tötet, so selten wie der Hirschbock den Hirschbock erschlägt, so selten tötete der Mensch den Menschen zu jener Zeit.

Mit der neuen Ordnung glaubten viele Menschen, die Gesetze der großen Mutter umgehen, ja, sie sogar außer Kraft setzen zu können. Die Götter, die Inbegriff und Stadthalter dieser Gesetze waren, wurden nunmehr von ausgewählten Menschen interpretiert: Es bildete sich eine Kaste, die für sich in Anspruch nahm, zu wissen, was die Götter wollen. Sie verdummte das Volk nach und nach, und wo einst jedes Lebewesen die Götter gehört und zu ihnen gesprochen hatte, vergaßen die meisten unter den Menschen diese ihre natürliche Fähigkeit. Vor allem jene, die sich den Gesetzen immer schon unwillig gebeugt hatten, überließen es gerne anderen, mit den Göttern zu sprechen, oder sie machten sich gar zu solchen, die vorgaben, mit den Göttern sprechen zu können. Auserwählte wurden in Künsten ausgebildet, die eigentlich gar keine Künste waren, doch eben deshalb galten sie dem Volk bald als Weise und bekamen immer mehr Macht.

Verführt von dieser Macht, die nicht mehr das Ziel hatte, die Sippe zu schützen, sondern sich selbst zu mehren, sanken die Menschen einmal mehr in die Polarität. Es bildeten sich Machtstrukturen, die in Opposition zueinander standen. Da aber alle die gleichen Fähigkeiten und Kräfte hatten, und die Götter sich nicht wirklich der einen oder anderen Seite gewogen zeigten, wurde der Machtkampf der Menschen aus der metaphysischen Ebene in die physische Ebene gezogen. Es wurden Horden gebildet, wie sie zuvor weder benötigt worden waren noch hätten unterhalten werden können. Horden, deren einziger Sinn darin bestand, andere Sippen und Stämme anzugreifen und zu entmenschen. Die Männer und Frauen dieser Horden bestellten nicht mehr die Äcker, gingen nicht mehr auf Jagd, versorgten nicht mehr das Heim und stillten nicht mehr ihre Kinder, sondern sie zogen in die Welt, um ihresgleichen zu jagen und zu töten.

Versprochen wurde ihnen, daß sie das Land jener erhalten sollten, die sie zuvor getötet hatten. Versprochen wurde ihnen, daß sie fortan vom Zorn der Götter verschont bleiben würden, und daß die ewigen Gesetze der Mutter nicht mehr gelten sollten. Versprochen wurde es ihnen von denen, die bereits der Dunkelheit verfallen waren, die die neuen Wesen mit in diese Welt gebracht hatten.

In grauer Vorzeit, noch vor den Tagen vom untergegangenen Kontinent, kam diese neue Ordnung in die Welt.

Die Welt änderte sich.

In den Tagen der ersten Ordnung hätte es viele Fähigkeiten nicht gebraucht, so zum Beispiel bestanden die Sippen, Stämme, Clans und Gemeinschaften aus Menschen, die den Boden bestellten und das Vieh versorgten und aus solchen, die dem Wild nachgingen, Bauern und Jäger. Manche Sippen lebten allein von der Jagd, und sie zogen mit den Wildherden durch das Land. Andere wurden seßhaft, bauten feste Hütten und lebten von den Erträgen, die der Boden gab.

Krieger hatte es bis dahin nicht gebraucht.

Nach dem Fall der ersten Ordnung jedoch änderte sich das. Mehr und mehr solcher Horden zogen durch die Welt, und verblendet von den Versprechen ihrer Führer mordeten sie, wo immer sie auf andere Menschen trafen. Zunächst mit großem Erfolg: War der Mensch doch nicht gewohnt, von seinesgleichen angegriffen und an Leib und Leben bedroht zu werden. Doch nach und nach begannen Einzelne, sich zu wehren. Nach und nach begannen Einzelne, den Umgang mit ihren Jagdwaffen zu trainieren, begannen, effizientere Techniken und Werkzeuge zu entwickeln, um der Bedrohung Herr zu werden. Und irgendwann, in grauer Vorzeit, waren es ein, zwei oder drei solcher Krieger, die einen Angriff einer kleineren Horde zunichte machten, ja, die diesen unformierten Haufen restlos aufrieben. Dies war ein Signal für die Evolution, und das Beispiel machte Schule. Ferne Sippen schickten einige Söhne zu diesen Kriegern, auf daß diese sie ausbildeten in der Kunst des Kampfes gegen den gefährlichsten Feind des Menschen, und Mensch wäre nicht Mensch gewesen, wenn nicht auch die Gegenseite angefangen hätte, ihrerseits Krieger auszubilden.

Und bald standen Mensch gegen Mensch, Krieger gegen Krieger, und eine beispiellose Entwicklung hielt Einzug in die Welt, eine Entwicklung, die heute noch anhält.

Die ältesten Seelen jener Krieger aber, die einst nur versucht hatten, ihre Sippe zu schützen, wissen heute, daß sie nicht besser sind als jene, die den Angriff brachten. Denn während der Bauer das Land bestellt, um Nahrung zu erzeugen, und Jäger das Wild tötet, um Nahrung zu erzeugen, war der Krieger bereit, Menschen zu töten, um selbst am Leben zu bleiben und die Seinen zu schützen. Und er wußte von Anfang an, daß keine Skrupel in seinem Herzen wohnen durften, er wußte, daß er allein das Werkzeug war, welches dem einen Schutz und dem anderen Tod brachte. Er mußte mit sich, seinen Zielen und seiner Loyalität im Reinen sein, er mußte mehr als alle anderen Menschen einen festen Glauben und ein unerschütterliches Ziel haben, denn immerhin war er bereit, den Tod zu bringen wie auch zu ertragen. Auch der Krieger war – ohne daß er das angestrebt hatte – zu einem Stadthalter der großen Mutter geworden. Und es war, als wäre mit dem Krieger ein neues, kosmisches Gesetz in die Welt gekommen, ein Gesetz, das man vorher nicht benötigt hatte. Der Krieger wurde, wie jene, die angaben mit den Göttern zu sprechen, eine Macht.

Und damit eine leichte Beute für die dunkle Wesenheit, die in die Welt gekommen war: Immer in Gefahr, verführt und geblendet zu werden, immer mehr im Zweifel um die Ziele, für die es sich zu kämpfen lohnt, und ob es sich überhaupt lohnt, zu kämpfen. Oh, ich erinnere mich an viele, viele peinigende Momente der Erkenntnis, der Erkenntnis darüber, daß so viele sich haben verführen lassen, selbst von denen, die einst als Schützer und Nährer den Weg des Kriegers begannen, und sich heute schämen, selbst dem verfallen gewesen zu sein, dessen Auswüchse sie einst bekämpfen wollten.

Ja, Ein einfacher Krieger, ich stimme mit Dir überein, daß eine Kriegerseele keine Skrupel hat (und diese auch nicht haben darf), andere Menschen zu töten, nur als „Lust“ würde ich das nicht bezeichnen wollen. In unserer heutigen Sprache reicht aber das Austauschen eines einzigen Buchstaben, dann paßt der Begriff: Nicht „Lust“, sondern „Last“ möchte ich es nennen, und zwar deshalb „Last“, weil die Ziele, die Loyalität und der Glauben im Unklaren liegen, so lange dem Krieger die Sippe fehlt, für die er bereit ist, seine Fähigkeiten zu trainieren und einzusetzen, so lange dem Krieger die Erkenntnis über das Größere fehlt, dem er bereit ist, sich unterzuordnen. Denn sonst wird er schnell ein Opfer jener verführenden, dunklen, außerirdischen Wesenheit, die selbst nicht zu fassen ist, aber deren nichtsahnende Jünger die Welt übervölkern.

Übrigens bin auch ich mißtrauisch gegen jene, die dem Krieger unbedingt etwas zwanghaft-friedvolles andichten wollen oder ihn gar als heutzutage überflüssig bezeichnen. Die klingen mir sehr als verführt durch diese Wesenheit, die davon lebt, daß die Menschen als gut zu steuernde Masse funktionieren. Doch gibt und gab es in der Welt Epochequalitäten, in denen die rein physische Vernichtung eines Gegners dem Krieger so oder so die Handlungsunfähigkeit bringt (hierzulande und heutzutage z.B. Gefängnis), und damit ist weder ihm noch seiner Sippe gedient. Da muß der Krieger meiner Meinung nach die Waffen bzw. das Spielfeld wechseln; seine ultimative Skrupellosigkeit - sprich: den unbedingten Vernichtungswillen oder wie Du es ausdrückst: die „Lust am Töten“ – muß er aber erhalten. Und wenn vom „Krieg in sich selbst“ gesprochen wird, verstehe ich das nicht als das ausschließliche, wenngleich aber als das hauptsächliche „Schlachtfeld“ gerade des Kriegers gerade in heutigen Zeiten: Nie war alles zweifelhafter, nie wahr mehr Glauben nötig. Der Krieg in einem selbst ist letztlich das Finden des Zieles, des Glaubens, der Loyalität und eben der Disziplin, seinen Körper zum Tempel der Seele zu machen, um seine Bestimmung bestmöglich erfüllen zu können. Und dieser innere Krieg bindet (noch immer) die meiste Kraft der heute wiedergekehrten Krieger.

Jener Conn, den Du da erwähnst (ich nehme an, Du beziehst Dich auf den Text mit den Titel „Journey of a Warriors Soul“?!) hat seine Sippe offenbar gefunden, hat den Glauben gefunden und ordnet sich einem höheren Ideal unter. Auch aus Deinen Worten spricht, daß Du die Sippe gefunden hast, zu der Du gehörst. Ich wünsche Dir, daß sich diese Sippe dessen bewußt ist und das zu schätzen weiß. Manchmal sind alte Riten gar nicht so ohne, und da gehören Sippenschwur, Kriegerweihe usw. sicher dazu, gerade in diesen grauen Zeiten.

Doch viel zu selten wagen es Menschen heute, sich aus dem Kontext der neuen Ordnung zu entfernen. Die meisten machen dabei mit, und oft genug kopieren die, von denen man zunächst meint, daß sie etwas anders machen, lediglich die Muster von Macht und Verführung. Dann haben viele einfach Angst, dem zu trauen, was sie fühlen, und es sind immer zu wenige, und auch das mag ihren Mut mindern, ihnen das nötige Selbstvertrauen nehmen, um von althergebrachten Gewohnheiten abzulassen und neue Wege zu suchen. Und als Zünglein an der Waage steht einigen die Angst davor, vermeintlich Sicheres aufzugeben, im Weg, und ihr Handeln ist von Zaudern, Zagen und Entscheidungslosigkeit geprägt. Es ist tatsächlich nur dieser innere Krieg, der geführt und gewonnen werden muß, um dahin zu gelangen, seiner Intuition und all den anderen Beweisen zu vertrauen. Dieser innere Krieg, der im Grunde von allen Menschen geführt werden muß, doch wer wäre besser dazu geeignet als ein Krieger? Und wie traurig ist es mitanzusehen, wenn ausgerechnet die Krieger diesem inneren Krieg ausweichen?

Doch jene zu finden, die den Mut, die Kraft und die inneren Gaben haben, sich diesem inneren Krieg zu stellen, ihn zu gewinnen und sich dann wirklich gegen das Dunkle Vergessen stellen, und jene, die das Selbstvertrauen und die Weisheit haben, dann etwas Neues ins Leben zu bringen: Dies ist inzwischen meine Suche (obwohl ich selbst kaum die Hälfte dessen in mir erlöst habe, was nötig wäre ;-).

Ich wünsche Dir jedenfalls Mut und Kraft, Ein einfacher Krieger. Und möge Dir Dein Weg breit und erleuchtet bleiben und mögest Du immer an den richtigen Feuern Rast machen.

Ejnar


 

Geschrieben von Cúchulynn am 09. Juni 2003 23:00:45:

Als Antwort auf: Kriegerseele geschrieben von ein einfacher Krieger am 02. Juni 2003 21:26:54:

Einfacher Krieger,
ich höre noch die Worte am Feuer und kann nicht sagen, wars vor einer Woche oder viel Länger, denn ich kenne diesen Zustand nur zu gut.
Auch das macht uns zu dem, wer wir sind.
Aber ich kann mich sehr gut an meine Zeit erinnern, da ich ähnlich fühlte. Damals hatte ich ein Erlebnis und ich hab hier schon davon erzählt.
Und mit den Worten eines anderen Kriegers unterstützend,

"Und wenn dann ein andrer, ein Krieger vielleicht,
auch stark ist für ihn, als Begleiter,
dann werden die Ängste und Sorgen ganz leicht,
werden einfach von Einem zum Nächsten gereicht,
jeder trägt die Bürde des andern ein Stück,
so hilft jeder jedem dann weiter."

möchte ich dir gerne mein Erlebniss noch einmal erzählen:

Die Nacht beginnt mich zu umhüllen
Und der Nebel steigt herauf.
Den schwarzen Himmel sucht zu füllen
Die Mondin – spiegelt auf des Schwertes Knauf.

Lang war die Reise, schwerlich auch der Weg,
den zu beschreiten ich gedachte.
Jetzt an dieses Feuers Wärme heg
ich solch Gedanken, heg sie sachte.

Die Glieder schwer und müde eigentlich
der ganze Körper – wiegt wie Stein.
Das Feuer tanzt und windet sich
Geschickt um meines Geistes Sein.

Die Flammen züngeln heiß an meinen Wangen,
´s scheint als ob sie mir was sagten.
Wie magisch ist mein Blick gefangen –
Und da! Als ob sie mich was fragten!

„Krieger höre! Krieger hörst du mich?“
Bei Lugh! Kann’s sein, daß Feuer
zu mir spricht – die Stimme wieder:“ Höre mich!“
„ Wo bist du? Zeig dich Ungeheuer! „

„ Nicht Monster bin ich, auch nicht Feind,
laß ab von deiner Klinge!
Nicht messen mußt du dich wie’s scheint
mit mir, die Kraft des Feuers - ich dir bringe!“

„ Ha! So reden kann ein jeder, Flammengeist
doch – möcht´ ich’s dir schon glauben,
denn kenn’ ich keinen andren, der so dreist
wagt, klares Denken mir zu rauben.“

„Zum Rauben bin ich nicht gekommen,
Krieger! Nein – Du kamst zu mir.
Dir ist, als wär´ dir was genommen.
Gib’s zu, deswegen bist du hier.

Was trübt den innern Tümpel,
den du als Geist benennst?
Spinn‘gewebte Netze , Staub und nichts als Krempel
schwirrt im Kopf herum – wozu? – du dich bekennst.

S’ist gut jetzt endlich, sammle dich !
Genug des Spielens auf des Trübsals Horn.
Die Kraft von Mutter Erde bietet sich
erneut – wirst du gebor’n.

Wirf ab die Schatten, vergiß den Gram.
Laß mich, das Feuer, deine Venen füllen.
Des Schwermuts Mantel werd‘ ich dir verbrennen, denn ich kam
auf dein Geheiß, dir das hier zu erfüllen:

Lodern sollst du, kochen soll dein Blut!
So höre, fühle, nimm die Gabe,
spür’s tief und hab den Mut
jetzt aufzusteh’n, gewahr was ich zu geben habe.

Du trägst’s in dir, als Traum dir schon begegnet,
brauchst nur die Augen aufzumachen.
Muß ich’s wohl noch mal sagen?: Du bist gesegnet
vorzutreten, deine Feuer zu entfachen!

Dein Herz pulsiert, ich kann es hören
Laut und deutlich, tausend Trommeln in der Nacht
Könn’n nicht gewähren,
was Du dir selbst entfacht.“

Dann fliegen Funken, birst Holz entzwei
Und Rauch vertränt mir meine Augen.
Ich schließ sie schnell – es ist vorbei.
Vorbei? Ich kann’s noch gar nicht glauben.

Lüg‘ ich mich an, war es gar Wirklichkeit?
Hat Feuer selbst zu mir gesprochen?
Bin ich in meiner Einfachheit
Zum Göttlichen gekrochen?

Doch nein ich spür‘ das Blut in mir
Wie’s kochend, brodelnd durch die Adern fließt.
Wie wildes, freies Urgetier
Sich über mich ergießt.

Ich sollt‘ es zähmen, sollt’s lenken rein in rechte Bahnen,
auf daß es nicht,
ich kann’s schon ahnen,
in falscher Weise mich zerbricht.

Und dann am Horizont, ich kann sie seh’n,
s’wird langsam hell,
blaßgelb, doch alsbald grell,
die Sonne wird aufgeh’n.


Cúchulynn


 

Und noch was von Conn

 

Geschrieben von Conn am 25. Juli 2001 21:55:40:

Von jenem fernen Ort, jenseits von Raum und Zeit, an den Kriegerseelen von den Schlachtfeldern dieser Welt immer wieder zurückkehren, sah ich den Schein eures Feuers in der Nacht.
Krieger, flüsterte der Wind.
Söldner, knisterten die Flammen.
Fianna, raunte der Regen.
Neugier trieb mich her.
Seit ich meinen ersten Eichenspeer im Feuer härtete, suche, finde und verliere ich immer wieder diejenigen, die den gleichen Weg gehen. Was seid ihr - Krieger, die träumen oder träumt ihr davon Krieger zu sein?
Habt ihr euch eure Seelentiere ausgesucht oder haben sie euch erwählt? Ruft ihr nach den Göttinnen des Krieges oder haben sie euch ihren erschreckenden Segen gegeben? Spielt ihr ein Spiel oder spielt das Spiel euch?
Wer ich bin, wollt ihr wissen, warum ich die Waffen nicht ablege?
Ich bin Krieger und ich kenne euch nicht, noch diejenigen, denen ihr Treue geschworen habt. Deswegen werde ich meine Waffen so lange bereit halten, bis ich sicher bin, daß wir auf der gleichen Seite stehen.
Einen Namen? Welchen wollt ihr hören? Es waren viele, seit die Flintsteinklinge in meiner Hand zum ersten Mal einem Gegner den Tod brachte, und es werden noch viele sein, bis ich am Ende meines Weges das Lasergeschütz für immer zur Seite lege.
Ich bin der schützende Schild doch auch das Messer an der Kehle, der heimliche Pfeil, die niedersausende Axt, das blutige Schwert und die Speerklinge zwischen den Rippen.
Ich habe vielen den Tod gebracht und vielen Schutz geboten. Ich habe verletzt, verstümmelt, getötet und bin oft genug selber gestorben - selten im Bett, meist mit einer Waffe in der Hand.
So nennt mich denn Conn, wenn ihr mögt, denn dieser Name ist nicht schlechter oder besser als all die anderen, die ich auf meinem langen Weg getragen habe.
Villeicht ist ja unter euch der eine oder die andere, die wie ich die Ehre noch über den Profit und die Treue über die Bequemlichkeit stellt.
Vielleicht sitzen ja wirklich Krieger am Feuer, die den Wortlaut eines Bluteides noch kennen, die Sciattach wirklich gegenüberstanden, die dem Tod in all seinen vielfältigen Formen schon begegnet sind.
Vielleicht sind es aber auch nur Met-Streiter, Worthelden und Schönwetterkämpfer.

Ich werde es herausfinden

Conn
 

 

Das soll es hier erst mal gewesen sein,
über Texte zum Thema: "Krieger Heute" würde ich mich freuen.

 

 

 

 

 

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